Corona und die Wirtschaft | Ein Kommentar

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Ein Unternehmer sagt die Wahrheit über die Corona Krise und die Wirtschaft

Daniel Köhler | 30.04.2020

Ein Kommentar von Daniel Köhler

Es ist an der Zeit, dass wir uns Gedanken über unsere Geschäftsmodelle machen und es ist an der Zeit, dass sich Unternehmer die richtigen Fragen stellen. Schockstarre lösen, nicht darauf warten, dass die Regierung hilft, – sondern neu denken und endlich die Kunden mal anders ansprechen!

Als Unternehmer und Familienvater habe ich derzeit viele Herausforderungen. Wie kann ich mein Geschäft ankurbeln, meine Kinder betreuen und meine Mitarbeiter im Homeoffice koordinieren? Als Inhaber einer Digitalagentur habe ich dabei das große Glück, dass sich meine Mitarbeiter selbstständig digital vernetzen und ihre Arbeit schon lange papierlos erledigen. Die letzten alten Akten sind auch schon vor der Krise irgendwo im Schrank verstaubt. Was ich jedoch überhaupt nicht verstehe, ist, warum sich einige Unternehmer immer noch nicht in der Krise arrangiert haben und neue Wege finden! Es wird häufig abgewartet, bis der Sturm vermeintlich vorbei ist, anstatt gerade jetzt die Zeit zu nutzen und weitere, vielleicht digitale, Vertriebskanäle zu erschaffen.

 

Ein Beispiel: Der Einzelhandel

Viele Menschen, meine Familie eingeschlossen, legen Wert darauf, die lokalen Unternehmen zu stützen und große Onlinemärkte wie Amazon, wenn möglich, nicht zu oft zu nutzen. Gerade bei den großen Onlineanbietern bleiben ja am Ende nicht einmal die Steuern in unserem Land. Ich kann allerdings auch verstehen, warum man sie als Kunde nutzt. Es ist einfach, kundenfreundlich, ich finde online alles und der Service, gerade wenn etwas schief geht, ist nach aktuellen Maßstäben nahezu unschlagbar. Wir sind in vielerlei Hinsicht eine relativ durchschnittliche Familie, was unser Konsumverhalten angeht:

Den Großeinkauf machen wir im Supermarkt, aber die Kleinigkeiten kaufen wir beim Bauern um die Ecke oder in unserem Dorfladen. Vieles, wofür es in der Umgebung Händler gibt, versuchen wir regional zu besorgen. So wie uns geht es vielen. Jetzt ist die Krise da und die kleinen Läden stehen vor dem Aus. Zu wenige sind in den letzten Jahren mit der Zeit gegangen, die meisten haben sich nicht mal bei Google Maps eingetragen. Ich frage mich warum? Ein potenzieller Kunde, der online nach ??? in seiner Nähe sucht, wird nicht fündig!

 

web-analytics

Nicht aktuell oder nicht erreichbar

Bei uns bieten in einigen ländlichen Ortschaften viele Händler, egal ob Schreibwaren, Dekoladen oder Elektrogeschäft, einen Lieferservice an. Jedoch weiß der Kunde oft gar nicht, was in diesen Läden angeboten wird und wo es überhaupt möglich ist, etwas zu ordern. Von Zuhause aus ist das Internet für mich als Kunde meine erste Infoquelle. Wenn dann auf einer Website die Öffnungszeiten nicht aktuell sind oder wenigstens ein kleiner Hinweis zum Umgang mit der derzeitigen Corona-Situation zu finden ist, bin ich doch sofort weg und suche mir andere Anbieter – und im Zweifel geht der Klick entgegen meiner eigenen Einstellung dann doch zum größten Onlinehändler.

Wie einfach könnte es sein, mit dem Handy Bilder von den Produkten zu machen und diese auf die Homepage zu stellen. Man braucht im ersten Schritt nicht einmal ein Shopsystem, da könnte auch improvisiert werden. Viele Unternehmen haben ein eigenes Warenwirtschaftssystem, dies könnte man im nächsten Schritt mit einem Shopsystem oder der Website verknüpfen. Die Kunden könnten auch in Zukunft sehen, was beim Dekoladen um die Ecke überhaupt angeboten wird. Warum jetzt die Zeit nicht nutzen, um meine Produkte auch anders zu vermarkten? Es ist doch bei Weitem kein schlechter Invest, wenn auch nach Corona der Kunde abends online recherchiert, was denn im Modeladen im Ort alles zu haben ist und es dann am nächsten Tag dort anprobiert und kauft.

Warum nutzt der Fahrradladen von nebenan nicht seine Möglichkeiten? Jeder sitzt zu Hause und will aktiv sein, viele machen ihre Räder fit. Bei uns in der Region waren während der vergangenen Wochen zwei Fahrradläden nur bedingt telefonisch zu erreichen. Ernsthaft – nicht erreichbar? Selbst eine Chatfunktion auf der Website wäre doch meist sehr schnell zu integrieren. Aber nein, so bestellt der Kunde sein Reifenreparaturset nun bei einem großen Onlinehandel, statt die örtliche Wirtschaft zu unterstützen. Warum können die Restaurants einen Lieferdienst aus dem Boden stampfen, sind aber gleichzeitig oft nicht in der Lage, ihre Speisekarte online zu veröffentlichen?

Kleine wie große Unternehmen verschenken Chancen!

Social Media Agentur Nürnberg

Man könnte meinen, nur die kleinen Unternehmen wären digital hinterher. Doch selbst die „größeren“ Unternehmen taumeln teils machtlos vor sich hin. Wie kann es sein, dass mein Baumarkt um die Ecke zwar Lieferungen anbietet, aber keinen echten Onlineshop dahinter hat, wo ich sehen kann, was es denn überhaupt gibt? Also sucht der Kunde: wo gibt es das online? Meist bei Amazon & Co., wo es dann letztendlich bestellt wird. Das ist traurig.

Warum setzen Unternehmer jetzt nicht alles daran, Impulse zu geben und den Kunden auf allen Kanälen zu verkünden: „Wir sind da, wir stehen bereit, wir bieten Dienstleistungen und Waren an!“?

 

Besser gleich den Kopf in den Sand stecken?

Natürlich gibt es einen wirtschaftlichen Einbruch, selbstverständlich werden gewisse Kaufabsichten auch seitens der Konsumenten zurückgestellt und ja, es wird Verlierer geben. Die ersten Zahlen sind erschienen, wie viele Unternehmen wohl die Krise nicht heil überstehen werden. Das ist katastrophal! Aber ist jetzt schon der Moment gekommen, den Kopf in den Sand zu stecken? Geht es unseren Unternehmen tatsächlich so gut, dass wir einfach abwarten und nichts tun können und „nach der Krise“ wieder weitermachen wollen wie bisher? Tragen wir als Unternehmer nicht gerade jetzt die Verantwortung dafür, unser Geschäft zukunftsfähig zu machen und alles daran zu setzen, in dieser Krise zu überleben?  Wollen wir wirklich in 1,5 Jahren sagen: „Ja wegen Corona musste ich schließen!“ – ohne sicher zu sein, dass man nicht wirklich alles unternommen hat, um es zu verhindern? Natürlich gibt es Branchen, die können nur bedingt etwas tun oder auch gar nichts, das ist völlig klar, aber alle anderen hätten Möglichkeiten, nutzen sie leider viel zu wenig.

Zum Glück ist Deutschland aus epidemiologischer Sicht bis jetzt von der Pandemie nicht ganz so hart getroffen worden, wie andere Länder. Die ersten Geschäfte öffnen wieder. Nichtsdestotrotz warnen die Virologen vor einer möglichen zweiten Infektionswelle. Sollte dann nochmals alles geschlossen werden, wäre das wohl der endgültige Todesstoß für viele Unternehmen.

Ich sage nicht, dass es einfach wird und eine Neuausrichtung nicht auch Geld kostet. Doch wie viel Umsatz ist Ihnen in den letzten vier Wochen weggebrochen? Allein mit diesem Betrag hätte man sicher schon sehr viel auf die Beine stellen können.

Auswege sind Wege, die man gehen muss

Wir müssen das Positive sehen: Viele Menschen sitzen unfreiwillig Zuhause, sind mehr oder weniger 24 Stunden Online und in Ermangelung anderer Reize geradezu auf der Suche nach Produkten, Dienstleistungen und Services. Natürlich ist der Konsumklimaindex drastisch gesunken, vielleicht sind die Menschen nicht mehr so kauflustig wie vor Corona, aber sie benötigen immer noch Waren. Bei Amazon brummt der Laden so sehr, dass momentan Lieferungen innerhalb eines Tages selten geworden sind und Lieferzeiten von einer Woche eher die Norm abbilden. Das Bedürfnis nach Konsum besteht also weiterhin – dieser Gelegenheit kann man als findiger Unternehmer mit entsprechender Kreativität auch begegnen.

 

Unterstützung vom Profi zahlt sich aus!

Natürlich ist es jetzt zu spät für ein vorsorgliches Handeln – es ist aber noch nicht zu spät, zu reagieren und aus der Passivität der Vergangenheit eine Aktivität der Zukunft zu machen. In diesem Sinne – kommen Sie heraus aus Ihrem Schneckenhaus, packen wir es an und machen wir die Kunden jetzt verdammt nochmal glücklich, anstatt sie mit vollen Konten zu Amazon abwandern zu lassen!

Denn eine Sache ist in diesen unsicheren Zeiten gewiss: Genauso wie vor der Pandemie wird es nicht mehr werden. Schon vorher war es aus der Zeit gefallen, sich nicht um Google Rankings oder eine Listung bei Google Maps zu bemühen. Heute und nach der Krise wird es unmöglich sein, ohne diese Maßnahmen noch erfolgreich zu bleiben. Denn wir alle lernen derzeit jeden Tag dazu. Zukünftig werden Mitarbeiter mit dem Thema Homeoffice völlig anders umgehen als in der Vergangenheit. Sie werden es als Selbstverständlichkeit fordern, genauso wie Kunden nur noch Firmen mit einem adäquaten Onlineauftritt ernst nehmen werden. Der Einzelhandel kann nur MIT und nicht ohne Onlinedienste überleben und unsere Kinder werden wahrscheinlich eines Tages über Schulen ohne WLAN nur müde den Kopf schütteln.

Als Inhaber einer Digitalagentur kenne ich alle Kanäle und kann umso weniger verstehen, warum ich meine Kunden immer noch von Chats, Googleeinträgen, Onlineshops oder Google Anzeigen überzeugen muss. Häufig reiben sich unsere Kunden nach einem gemeinsamen sehr erfolgreichen Projekt ob der erreichten Umsätze die Augen und Fragen sich „Was haben wir eigentlich in all der Zeit verpasst?“ – oft genug kann ich mir dann das Schmunzeln nicht verkneifen.

Ich kann nur an alle Unternehmer und Händler appellieren: Nutzen Sie die Chance, bäumen sie sich jetzt auf und retten Sie mit kreativen und kundenfreundlichen Maßnahmen Ihr Geschäft – und ganz nebenbei dann auch noch die lokale Wirtschaft.

Ihre Mitarbeiter und die Kunden werden es Ihnen danken!

 

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Autor


Daniel Köhler

Daniel Köhler ist Maschinenbauingenieur und Marketingstratege mit Blick fürs Detail. Seine Themen sind Management, Persönlichkeitsentwicklung und die Lösung komplexer Aufgaben. Als zertifizierter Employer Brand Manager leitet Daniel Köhler zudem die Abteilung Employer Branding bei BESONDERS SEIN.

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